Respekt! beim Gewerkschaftstag der IG Metall vom 6. – 12. Oktober 2019 in Nürnberg

Die IG Metall hat sich bei ihrem Gewerkschaftstag klar für eine solidarische, offene und vielfältige Gesellschaft positioniert. Wie ein roter Faden zog sich die Arbeit der IG Metall gegen Populismus, Rechtsextremismus und Rassismus durch den 24. Ordentlichen Gewerkschaftstag der IG-Metall vom 06. – 12. Oktober 2019 in Nürnberg. Als Respekt!-Initiative waren wir vor Ort, um ein deutliches Zeichen für mehr Solidarität zu setzen.

Prominente Unterstützung im Endspurt der Aktion zum längsten anti-rassistischen Banner der Welt

Die Aktion zum längsten anti-rassistischen Banner der Welt mit den meisten Mitwirkenden ging beim Gewerkschaftstag nach fast acht Monaten zu Ende. Eines von vielen Highlights: Auch der Sänger Jan Delay verewigte sich mit seiner persönlichen Botschaft für mehr Toleranz auf dem Banner. Die Aktion erfuhr darüber hinaus im Rahmen des parlamentarischen Abends prominente Unterstützung durch Susanne Ferschl (DIE LINKE), Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN), Klaus Barthel, Björn Böhning und Lars Klingbeil (SPD) sowie Hermann Gröhe (CDU). Das Resümee ist unglaublich: Das Banner misst über 600 Meter, mehr als 5.000 Menschen haben sich beteiligt und damit klare Kante gegen Rechts gezeigt.

Außerdem konnten wir die neuen inhaltlichen Materialien der Respekt!-Initiative vorstellen, die pünktlich zum Gewerkschaftstag druckfrisch erschienen sind: Eine neue Auflage des Schnellchecks zur AfD, Kommunikationsstrategien gegen Rechts und eine Broschüre zu Verschwörungstheorien findet ihr hier. Auf großes Interesse bei den Delegierten stießen auch unsere Bildungsangebote, vor allem der Azubi-Workshop und das Argumentationstraining gegen Rechts.

Klare Haltung: Für Solidarität und Vielfalt!

Dass der Kampf gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art mehr als ein Lippenbekenntnis sein soll, zeigte sich auch an der Vielzahl inhaltlicher Anträge und Beschlüsse zum Thema. Die Delegierten haben die Erarbeitung einer Strategie beschlossen, die dem Rechtsruck in Gesellschaft und Betrieben entschieden entgegenwirken soll. Die Priorität wird dabei auf Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit liegen. Klar ist, dass eine Zusammenarbeit mit Parteien, die Ängste und Sorgen bewusst ausnutzen, um rechte Hetze zu verbreiten und die Gesellschaft zu spalten, ausgeschlossen ist. Nun geht es darum, diese Haltung konsequent in die Praxis umzusetzen. Hier forderten Metallerinnen und Metaller <em>konkrete </em>Maßnahmen im Umgang mit Mitgliedern und Funktionär*innen rechtspopulistischer Parteien und Bewegungen. Diese sollen gemäß Beschluss in eine verbindliche Richtlinie gegossen werden.

Erinnern und Bildung gegen Rechts

Ebenso wurde beschlossen, das Bildungsangebot zu gesellschaftspolitischen Themen umfassend auszuweiten. Zentrale Inhalte sehen die Delegierten in diesem Zusammenhang in dem Erinnern an die Schrecken des Holocausts und der Auseinandersetzung mit der Arbeiter*innenbewegung vor, während und nach dem Nationalsozialismus. Erinnern bedeutet aus Sicht der Metaller*innen aber auch, die Ursachen für die bis heute wirkenden und wieder erstarkenden Mechanismen rechter Ideologien zu analysieren und diesen entschieden mit vereinter Stimme entgegenzutreten. Dabei gilt es unter anderem, die Zusammenhänge zwischen der in den letzten Jahrzehnten vorherrschenden neoliberalen Politik, sozialer Ungleichheit und dem wachsenden Rechtsextremismus sichtbar zu machen.

Darüber hinaus wurde ein zusätzliches Angebot an Argumentationstrainings und –materialen beschlossen. So sollen Metaller*innen im Umgang mit rechtspopulistischen und offen rassistischen Vereinigungen beraten, unterstützt und zu mehr Handlungsfähigkeit ermächtigt werden. Durch vermehrte gemeinsame Aktionen will die IG Metall weiterhin eine klare Position gegen Rassismus und jegliche Form der Diskriminierung zeigen. In diesem Sinn wird der 21. März, Internationaler Tag gegen Rassismus, gemäß Beschluss zu einem festen Bestandteil des politischen Kalenders der IG Metall. Die Respekt!-Initiative wird dazu mit Aktionen und Bildungsangeboten beitragen.

Aus aktuellem Anlass

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel griff in ihrer Rede am Donnerstag den Einsatz der IG Metall und insbesondere der Respekt!-Initiative im Kampf gegen Hass und Gewalt auf – leider aus einem schmerzlichen, aktuellen Anlass. Der Gewerkschaftstag wurde von einem menschenverachtenden Angriff auf eine Synagoge in Halle überschattet. Am 09. Oktober 2019, ausgerechnet an dem Tag, an dem Jüdinnen und Juden auf der ganzen Welt Jom Kippur, den heiligsten Feiertag im jüdischen Kalender, einen Tag der Sühne und der Versöhnung feierten, versuchte der 27-jährige deutsche Stephan Balliet, sich mit Waffengewalt Zutritt zu einer Synagoge in Halle zu verschaffen. Die Tür der Synagoge hielt stand. Dennoch tötete der Angreifer zwei Menschen und verletzte viele weitere. Inzwischen hat er seine Taten gestanden und ein rechtsextremes und antisemitisches Motiv bestätigt. Der Angriff zeigt, dass Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus keine Phänomene sind, die der Vergangenheit angehören, sondern zur gegenwärtigen Realität gehören. Die Gesamtgesellschaft ist in der Verantwortung, dies anzuerkennen und den Nährboden durch Aufklärung und Bildung auszutrocknen. Dazu zählt auch eine sozial gerechte Politik, die einer gesellschaftlichen Spaltung entgegenwirkt. Dafür steht die IG Metall. Dafür steht die Respekt!-Initiative. Der Kampf gegen Rechts ist eine Aufgabe und eine historische Verantwortung aller Menschen – gerade in Deutschland.