Feuer löscht man nicht durch ignorieren

Grün-offener Abend Hilchenbach: „Das Feuer löscht man nicht durch Ignorieren!“ – Stephan Klenzmann referierte über den Umgang mit Rechtspopulismus

Der jüngste grün-offene Abend, zu dem jetzt der Hilchenbacher Grünen-Ortsverband in das Dahlbrucher Jugendzentrum eingeladen hatte, stand unter dem Überschrift „Rechtspopulismus – Was tun?“ Als Referent war Stephan Klenzmann geladen, der sich seit vielen Jahren intensiv mit der rechtspopulistischen Szene in unserer Region und darüber hinaus in ganz Deutschland und auf internationaler Ebene beschäftigt und – unter anderem im Rahmen gewerkschaftlicher Fortbildungen Schulungen anbietet.

Über 40 Personen, darunter auch eine große Anzahl von jungen Erwachsenen, folgte der Einladung und dem zugleich sachlichen und engagierten Vortrag des Referenten, der einführend einen Überblick über die Geschichte und Hintergründe des Rechtspopulismus gab, bevor er sich der sog. AfD widmete, die wie keine andere politische Kraft derzeit den Rechtspopulismus repräsentiert, die Versatzstücke rechter Ideologie salonfähig zu machen sucht und in die Parlamente trägt, was vor dem Hintergrund der im Herbst 2020 anstehenden Kommunalparlamente von besonderem Interesse ist.

Als „Nährboden“ rechtspopulistischer Einstellungen identifizierte Klenzmann u.a. gesellschaftliche Veränderungen wie die zunehmende Digitalisierung, die zu Verunsicherung und Überforderung führe, Sorge um den eigenen Arbeitsplatz im Zuge globaler ökonomischer Veränderungen, steigenden Zeit- und Leistungsdruck oder eine nicht gewohnte kulturelle Vielfalt, von der sich viele Menschen überfordert fühlten und die sich im Gegenzug nach stabilen und überschaubaren Verhältnissen sehnen.

„Grundsätzlich“, so Klenzmann weiter, zeichne sich Rechtspopulismus dadurch aus, dass er unzweifelhaft bestehende „ökonomische, politische und soziale Probleme aufnimmt, sich bewusst mobilisierend an das `Volk` wendet und dabei unter Wahrung demokratischer Formen gezielt emotionalisierend die Ursache der Probleme vereinfacht, verschiebt, verkehrt und Lösungen anbietet, die von den eigentlichen Ursachen ablenken und sich gegen andere Menschengruppen – z.B. Ausländer, Muslime oder Geflüchtete – und langfristig gegen die Interessen der Betroffenen selbst richten.“

Strategisch wende sich der Rechtspopulismus etwa der sog. AfD gegen die Medien („Lügenpresse“), gegen Europa (insbesondere die Währungsunion), gegen gesellschaftliche Veränderungen der letzten Jahre (vom Staatsbürgerschaftsrecht über die Homo-Ehe bis zur Abschaffung der Wehrpflicht), gegen den Islam und Geflüchtete, das Sozialsystem und auch gegen die Gewerkschaften, woraus schon ersichtlich sei, so Klenzmann, dass die sog. AfD sich zwar als „Partei der kleinen Leute“ präsentiere, aber das Gegenteil der Fall sei: „Die AfD ist neoliberal, antisozial und gewerkschaftsfeindlich. Das sollten all diejenigen nicht vergessen, die glauben, bei ihr gut aufgehoben zu sein.“ Mit den zentralen Zukunftsfragen der jungen Generation – etwa der drohenden Klimakatastrophe – habe die AfD nichts im Sinn.

Auf die Frage „Was können wir tun?“ machte Klenzmann klar: „Ein Patentrezept gibt es nicht, denn jede Situation ist anders.“ Grundsätzlich gelte das „Windradprinzip“, von dem der Blogger und Journalist Sascha Lobo spreche: „Wie ein Windrad lebt die AfD-Sphäre von Gegenwind. Energie aus der Empörung der Gegenseite erzeugt ein Gemeinschaftsgefühl.“

Doch auch das will Klenzmann nicht als Patentrezept ausweisen. Denn ebenfalls gelte: „Das Feuer löscht man nicht durch Ignorieren.“ Rechte Positionen dürften nicht als Normalität akzeptiert werden, rechte Positionen müssten „entzaubert“ und die eigene Position gestärkt werden. Und vor allem: Der Nährboden – die unleugbare tiefe Spaltung unserer Gesellschaft in Gewinner und Verlierer müsse überwunden werden: „Ich nenne das das Prinzip `Portugal`. Nirgendwo in Europa gibt es weniger Rechte als dort. Und warum? Weil sich dort das politische Handeln konkret an den Interessen und Notwendigkeiten der Menschen ausrichtet. Die Leute fühlen sich durch die Politik ernstgenommen und wirksam repräsentiert. Dahin müssen auch wir zurückfinden. Dann kommt der Rechtspopulismus dorthin zurück, wohin er gehört: in die Mottenkiste!“