100 Jahre Naturfreunde Breitnau

In einer Höhe von 1060 Metern gelegen erfreut sich das Naturfreundhaus der Ortsgruppe Freiburg großer Beliebtheit bei Wanderern, Bikern und ist Ort der Begegnung für Einheimische und Reisende. Kaum zu glauben, welch Mühen die vorherigen Generationen auf sich genommen haben, um dieses Haus zu bauen und zu betreiben. Trotz des anhaltenden Regens kamen über 100 Gäste zum Jubiläumsfest Enda August in das eigens dafür aufgestellte Festzelt. Der örtliche Bürgermeister überbrachte mit seinen Glückwünschen einen Klimaangepassten Baum und bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit den Naturfreunden. Er nutzte die Gelegenheit die Ortsgruppe einzuladen Mitglied in der Energiegenossenschaft des Bioenergiedorfes Breitnau zu werden, was die Naturfreunde gerne annehmen werden.

In ihrer Festrede spannte die Staatssekretärin des Bundesumweltministeriums Rita Schwarzelühr-Sutter den Bogen von den allgemeinen politischen Klimazielen hin zum Naturfreundehaus und den Naturfreunden mit ihrer konkreten Arbeit. Die Bundestagsabgeordnete betonte auch, dass die Völkerverständigung wichtiger Inhalt des Vereins ist und sie auch zu den gesellschaftlichen Fragen Stellung beziehen.

Der langjährige Naturfreund Werner Kästle erzählte in interessanter und launiger Art und Weise über die Geschichte der Landschaft wie auch des Naturfreundehauses. So begann alles mit einem Antrag 1918, kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges, ein Haus bauen zu dürfen. Wenige Monate später konnten die Naturfreunde eine Flugwachthütte für 1500 Mark ersteigern. Die Hütte musste allerdings noch an den richtigen Ort gezogen werden. Mit Hilfe von Ochsen und Pferdegespannen wurde an ihren neuen Platz verbracht.  Die Hütte wurde anschließend aus- und umgebaut, wobei die Behörden verlangten, dass das Gebäude den typischen „Schwarzwaldcharakter“ erhalten sollte. Es folgten weitere bauliche Veränderungen, vor allem aber auch der Anschluss an das Stromnetz 1923.

Mit Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler 1933 erfolgte die Verfolgung der politischen Gegner und Organisationen und das  Naturfreundehaus Breitnau wurde geschlossen und beschlagnahmt. Das Haus wurde der NSDAP überlassen und wurde als Schulungsstätte genutzt. Im Oktober 1945, also wenige Monate nach Kriegsende, haben sich die Naturfreunde Freiburg wieder reorganisiert und konnten von der französischen Militärregierung die beiden Naturfreundehäuser Breitnau und Feldberg zur vorläufigen Nutzung wiederbekommen. Das Breitnauer Haus war in einem sehr schlechten Zustand. Die größte Erweiterung erfuhr das Haus 1984. Es wurde eine Quelle gefasst, um die Wasserversorgung zu sichern. Das Haus wurde vergrößert, die Zimmer wohnlicher gestaltet und die sanitären Anlagen vollständig erneuert. Viele Arbeiten wurden damals in ehrenamtlicher Eigenarbeit durchgeführt.  

Erst vor wenigen Jahren wurde der Brandschutz im Haus mit einer modernen Brandmeldeanlage, Rauchmeldern und einer Fluchttreppe auf den neuesten Stand gebracht. Um das Haus auch für die Zukunft attraktiv zu halten soll es energetisch saniert werden, möglichst an die öffentliche Wasserversorgung und an das Breitbandnetz angeschlossen werden. Diese gesamten Veränderungen wären nicht möglich gewesen, wenn nicht unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit für den Betrieb des Hauses investiert worden wären. Sowohl Gaststätten- wie auch Beherbergungsbetrieb wurde vereinsintern organisiert. Die Bettwäsche wurde früher selbst gewachsen und im Wald zum Trocknen ausgehängt. Heute ist der Betrieb des Hauses verpachtet an die Familie Benitz, die mit viel Engagement auch weiterhin dafür Sorge tragen, dass die Beliebtheit des Hauses ungebrochen ist.
Zum Abschluss des Festaktes wurde den Naturfreunden für ihr Haus von Moritz Riesinger von der Gewerkschaft IG Metall  das Schild „Respekt“ überreicht als Auszeichnung für einen Ort der Völkerverständigung.