Die IG Metall bekennt sich zu »Respekt!«
- Dienstag, 15. März 2011
Der Einsatz gegen Benachteiligung, gegen Rassismus und für ein respektvolles Miteinander im Betrieb gewinnt immer mehr an Bedeutung. Das ist sowohl für Unternehmensleitungen als auch für Betriebsräte eine große Herausforderung. In Kooperation mit der IG Metall verankert die Initiative »Respekt! Kein Platz für Rassismus« die Botschaft vom Miteinander auf Augenhöhe in den Betrieben. Im ersten Schritt sollen deutschlandweit in möglichst vielen Betrieben »Respekt!« Schilder aufgehängt werden. Augenfällige Visitenkarte der Initiative ist der Bildband »Respekt! 100 Menschen – 100 Geschichten« aus dem Bund-Verlag. In diesem Band sind die prominenten Botschafter und Unterstützer der Initiative mit ihren Statements versammelt. Bertin Eichler erläutert im Gespräch mit der Zeitschrift »Arbeitsrecht im Betrieb« die Ziele der IG Metall mit dieser Initiative.
Was ist die Kernaussage der Initiative »Respekt!«?
Die Kernaussage geht in zwei Richtungen: Einer unserer Grundwerte ist die Solidarität der Beschäftigten untereinander. Ohne Respekt ist Solidarität im Betrieb niemals erreichbar. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass jede und jeder dafür auch eine Verantwortung trägt. Der zweite Punkt ist, dass wir auch Respekt vor der Leistung der Beschäftigten einfordern. Das vermissen wir derzeit in vielen Bereichen – zum Beispiel Respekt vor den Leiharbeitnehmern, die wie Arbeitnehmer zweiter Klasse behandelt werden. Hier hat die Bundesregierung bisher bei der Regulierung der Leiharbeit total versagt. Wir wollen, dass für gleiche Arbeit auch gleiches Geld bezahlt wird. Es geht auch um die Jugendlichen: Je jünger die Menschen sind, desto prekärer sind sie beschäftigt. Das betrifft beispielsweise über die Hälfte der jungen Menschen bis 25 Jahre, die in prekären Beschäftigungsverhältnissen stecken.
Warum unterstützen Sie die Initiative »Respekt!«?
Die Initiative hat einen guten Ansatz im Bereich des Fußballs, in den Medien und in der Kultur. Der Initiative fehlen noch die Arbeitswelt und die Schulen. Gerade in der Arbeitswelt wollen wir die Initiative unterstützen, denn nirgendwo treffen sich jeden Tag so viele Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Kultur, und Religion wie in den Betrieben. Rassismus ist ein Thema, das sich nicht nur in Fußballstadien oder am Stammtisch abspielt, sondern auch in den Betrieben. Rassismus eint die Gesellschaft nicht, sondern entzweit sie. Das widerspricht unserem Ansatz von Solidarität und Gerechtigkeit.
Wie sollen Betriebsräte die Initiative in die Belegschaften tragen?
Die Betriebsräte spielen hier eine entscheidende Rolle, genauso unsere Vertrauensleute, die Jugend- und Auszubildenden- und die Schwerbehindertenvertretungen. Die Betriebsräte haben zunächst die Aufgabe, das Thema zu platzieren, Beschäftigte einzubeziehen und zu sensibilisieren. Dies gerade auch im Hinblick auf die Gleichstellung oft benachteiligter Gruppen wie Migranten, schwerbehinderte Menschen, Auszubildende und Frauen.
Wie ist die Initiative vor dem Hintergrund des rechtlichen Rahmens zu sehen?
Das Betriebsverfassungsgesetz bietet eine ganze Reihe von Ansatzpunkten hinsichtlich der Behandlung von Beschäftigten im Betrieb. Auch die Arbeitgeber müssten ein Interesse an der Initiative haben, weil Respekt nicht nur mit gutem Betriebsklima zu tun hat, sondern mittelfristig auch mit guten Erfolgen fürs Unternehmen selbst. Wichtig ist, dass die Menschen beteiligt werden und das Thema gesetzt wird, beispielsweise in Betriebsversammlungen.
Erwarten Sie Konflikte zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern bei der Umsetzung der Initiative?
Konfliktpotenzial sehe ich erstmal nicht. Es könnte sein, dass der eine oder andere Arbeitgeber die Notwendigkeit dafür zunächst nicht einsieht. Aber unsere Betriebsräte haben genügend Durchsetzungsfähigkeit und Engagement, um auch einen uneinsichtigen Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass es auch für ihn gut ist, wenn die Beschäftigten respektvoll behandelt werden.
Kann »Respekt!« bei Angst vor Lohndumping durch die kommende Arbeitnehmerfreizügigkeit helfen?
Das Problem und die Unzufriedenheit bestehen bereits jetzt. Zum Beispiel bei der Leiharbeit; das ist Lohndumping besonderer Art. Die Initiative »Respekt!« kann da eine große Rolle spielen mit der Botschaft, dass ungleiche Behandlung und ungleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit nicht respektvoll sind.
Was bedeutet Respekt für Sie persönlich?
Respekt hat eine sehr wichtige Bedeutung für mich. Ich denke dabei an die Würde des Menschen. Respekt - gerade gegenüber Andersgläubigen oder gegenüber einer anderen Kultur ist für mich ein entscheidender Punkt für eine solidarische und demokratische Gesellschaft. Oder anders formuliert, bei Gesellschaften ohne Respekt geht es um Ausgrenzung und Vernichtung, im schlimmsten Fall sogar um Krieg. Deshalb ist Respekt ein ganz entscheidendes Thema. Es geht dabei nicht nur um Toleranz, sondern es ist auch ein Aufruf zum Handeln und zum Sicheinmischen, um entsprechend Position zu beziehen.
Herr Eichler, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Gespräch führten Claudia Stiel, verantwortliche Redakteurin AiBplus, und Christof Herrmann, Pressesprecher des Bund-Verlags.
Videos
Botschafter
Google-Map
IG Metall · Wilhelm-Leuschner-Str. 79 · 60329 Frankfurt am Main
